Monday, 15 August 2011
Half the world away
Fast zwei Wochen bin ich jetzt in Australien. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das alles vor einem Jahr angefangen hat. Ein ganzes Jahr hab ich mich auf diese Zeit hier vorbereitet. Voller Spannender Momente in denen sich immer wieder eine Tür geöffnet hat. Irgendwann stand es dann fest. Nach Australien sollte ich gehen. Die ersten 6 Monate im Outback in einem kleinen Dorf namens Warren "in the middle of nowhere". Um die 600m nord-westlich von Sydney. Die zweiten 6 Monate nach Warners Bay. Nur zehn Autominuten von Newcastle entfernt und 100km nördlich von Sydney an der Küste.
Warren, das Dorf in dem ich zur Zeit lebe, ist wirklich anders als ich es mir vorgestellt habe bevor ich nach Australien gekommen bin. Klar, vor allem hier im Outback, leben Aborigines. Aber ganz normal wie wir in Häusern. Sie gehen auch in die Schule und sprechen Englisch. Es vergeht auch kein Tag an dem ich nicht mindestens einen Cowboy sehe, weil hier eigentlich so gut wie jeder einer ist. Die Standardkleidung ist ne Jeans, Cowboystiefel, ein brauner Ledergürtel mit silberner Schnalle, ein kariertes Hemd, natürlich der Cowboyhut und dann on top der Aussie-slang (der mich schon in einigen Situationen an die Grenze meiner Englischkenntnisse gebracht hat). Nicht, dass die Jugendlichen so rum laufen würden. Aber viele Eltern die eine Farm haben tun es. Alles ist sehr klein und jeder kennt so gut wie jeden. Inzwischen auch mich, weil ich es in "Warren Weekly" auf die Titelseite geschafft habe. Was ich total witzig find und ich mir darauf hin auch direkt ein Exemplar gekauft habe. Es ist viel geboten. Supermärkte, ein Arzt, ein Freibad, etliche Reparaturwerkstätten, ein Fluss auf dem man im Sommer surfen oder sogar manchmal Wasserski fahren kann, usw. Es lässt sich hier wirklich gut leben.
Die Schule war aber ehrlich gesagt wirklich eine echte Umstellung. Die Warren Central School ist die XXXXS Version von meiner ehemaligen Schule. Erstmal ist vom Kindergarten bis zur 12ten Klasse alles in einer Schule zusammengefasst und alle Jahrgänge zusammen gezählt sind auf dieser Dorfschule 160 Schüler. Der Vorteil ist, dass es immer sehr ruhig und relaxed ist. Ich gehe hier in die 11te. Wie in Deutschland muss man nach der 10ten Klasse Kurse wählen. Aber wenn man hier in den Unterricht geht, sitzen nie mehr als 7 Schüler in einem Klassenzimmer. Der Unterricht ist wirklich viel angenehmer. Die Schule ist auch sehr Modern ausgestattet. Weil sie hier beispielsweise keine Chemielehrkraft haben, müssen die Schüler über Videokonferenz Chemieunterricht erhalten. Ich bin ein mal in solch eine Unterrichtsstunde mit gegangen und es war wirklich beeindruckend. Da steht dann ne Leinwand und daneben ein Flachbildfernseher. Auf die Leinwand projiziert der Chemielehrer von... irgendwo seine Powerpointdokumente, die wie Hefteinträge aufgebaut sind. In dem Fernseher kann man dann den Lehrer an seinem Schreibtisch sitzen sehen und auch die anderen Schüler aus den umliegenden Dörfern, die an dieser soggenannten Unterrichts-viedeo-konnferenz teilnehmen. Über den Fernsehen bzw. die Lautsprecherboxen werden dann Fragen an den Lehrer oder unter den Schülern ausgetauscht. Es war wirklich sehr cool.
Die ersten drei Monate verbringe ich bei Linda und Robert. Ein älteres Ehepaar. Sie sind wirklich sehr sympathisch und herzlich. Wir leben außerhalb von Warren um die 10km. In einem schönen Häuschen, welches sie sich nach ihrer Hochzeit auf einem riesigen Grundstück gebaut haben. Man hat hier wirklich Natur pur. Jeden morgen kommt das Nachbarsgefieder auf einen Besuch in unserem Garten vorbei. Der wunderschöne Ausblick von der Terrasse in den Wald und diese Ruhe. Mitbewohner 3 1/2 ist der Kater Bailey. Nach drei Attaken auf meinen rechten Fuß hat er sich langsam damit abgefunden, dass ich jetzt ein bisschen länger hier bleiben werde. Jeden morgen werde ich vom Schulbus abgeholt. Aber um an die Straße zu kommen, muss ich jedes mal einen zwei Kilometer langen Fußmarsch vom Haus zur Straße ab laufen.
Anders als erwartet ist hier an den Wochenenden sehr viel los. Wenn mal keine Hausparty oder Movienight bei irgendjemanden ist, kann man sich immer drauf verlassen, dass eine Roadparty statt findet. So nennen die Jugendlichen das hier. Es gibt bestimmt Stellen wo sich alle treffen. An der Straße oder ein bisschen abgelegen von der Straße. Die Leute aus der ganzen Umgebung kommen an diese Plätze haben Musik dabei, machen manchmal ein Feuer und drehen die Lautsprecher von Auto auf und machen ihre eigene Party unter freiem Himmel.
Ein großer Teil der Jugendlichen haben noch nie ein anderes Land außer Australien gesehen. Daher wurden mir das ein oder andere mal wirklich sehr bemerkenswerte Fragen gestellt. Wie z.B. Redet ihr deutsch oder englisch in Deutschland? oder Habt ihr Aboriginies in Deutschland? oder Leben bei euch auch so viele Kangaroos? und dass ist echt kein Witz. Sie sind total interessiert und das ist die Hauptsache. Man hat immer was zu erzählen. Es ist nie verkrampft. Die Australier sind wirklich sehr offen, interessiert und laidback.
Ich fühle mich hier sehr wohl und freue mich auf die Zeit die noch vor mir liegt.
Bis zum nächsten mal, Sophia.
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